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Klipper


Auch Clipper, Klipperschiff, Siehe auch: Baltimore-Schoner

Berühmter Handels-Schnellsegelschiffstyp aus der Blütezeit der Segelschifffahrt. Der Aufschwung des Seehandels zu Beginn des 19. Jh. erforderte schnellere Schiffe für größere Seereisen. So entstand etwa in der Zeit von 1815 bis 1830 an der amerikanischen Ostküste in Werften bei New York und Boston, ausgehend von den Erfahrungen des Baues von schnellen Schonern, ein neuartiger, besonders für höhere Fahrtgeschwindigkeiten entworfener Frachtschiffstyp, der amerikanische Klipper.

Zu den markantesten Merkmalen dieses schnellen Frachtseglers gehören der konsequente Verzicht auf größere Seitenhöhen und Aufbauten, so dass die Abmessungen und Formen des Unterwasserteils des Schiffskörpers strömungsgünstig gestaltet werden konnten. Das Längen-Breiten-Verhältnis L/B betrug bei den anfänglich aus Holz gebauten Schiffen 5:1 bis 6:1. Mit dem Übergang zur Holz-Eisen-Kompositbauweise und zum späteren Eisen- bzw. Stahlschiffbau konnten die Schiffe noch schlanker, bis zu einem L/B-Verhältnis von 8:1, gebaut werden.

Mit diesen widerstandsgünstigen Proportionen der Hauptabmessungen bei gleichzeitig vergrößerter Unterwasserlateralplanfläche konstruierte man besonders schlanke, im Vorschiffsbereich teilweise eingezogene, strömungsgünstige Wasserhinien. Der diesen Schiffstyp besonders kennzeichnende, weit vorragende, schwungvolle scharfe Klippersteven trug zum schnittigen Aussehen bei, minderte den Wellenbrechungswiderstand durch Teilen oder Schneiden der Welle (engl. to chip, schneiden; auch chipper, Rennpferd) und verlängerte insbesondere die für die Segelführung nutzbare Schiffslänge bei kurzem Bugspriet. Bis heute ist der Klipperbug eine architektonisch beliebte Stevenform für Yachten und Passagierschiffe. Schlank auslaufende Wasserlinien im Hinterschiff und ein schmales, abgerundetes Heck fügten sich harmonisch in die ausgereiften Formen des Schnellseglers ein. Wohl noch ausgeprägter und augenfälliger war die übergroße Segelfläche. Üblicherweise waren die Klipper Dreimaster, vereinzelt wurden auch viermastige Klipper gebaut. Vom Grundtyp her ähnelte die Takelage dem Vollschiff, an allen Masten wurden Rahsegel gefahren. Der Klipper hatte jedoch höhere, aus mehreren Stengen (bis zu 4 Stengen) gebaute Maste mit einer Länge bis zu 3/4 der Länge des Schiffes. Beim dreimastigen Typ stand der Fockmast näher zur Schiffsmitte, der Bugspriet war verkürzt und die Anzahl der Stagsegel zwischen den Masten zugunsten der Rahsegel verringert. Die Anzahl der Rahsegel an den Masten erhöhte man durch ein weiteres Toppsegel, das "Skysegel" oder den "Moonscraper", so dass über den bereits bekannten 6 Rahsegeln (Groß-, Großuntermars-, Großobermars-, Großunterbram-, Großoberbram- und Großroyalsegel) ein weiteres, siebentes Rahsegel gefahren wurde. In der Breite wurde die Segelfläche durch Leesegel an beiderseitigen Verlängerungsspieren sehr stark vergrößert.

Der von JOHN GRIFFITH entworfene und 1845 gebaute 750-BRT-Klipper "RAINBOW" (Regenbogen) gilt als einer der ersten Klipper, in dem alle typischen Merkmale des Schnellseglers verwirklicht wurden. Um diese Zeit begannen amerikanische Klipper, die Weltmeere mit Tee, Wolle und Weizen zwischen Indien, China, England und Amerika zu befahren. In schneller Folge entstand eine größere Anzahl leistungsfähiger Klipper, die wegen ihrer außerordentlichen Segelgeschwindigkeit und des beeindruckenden Anblicks unter vollen Segeln in der ganzen Welt berühmt wurden.

Der amerikanische Schiffbaumeister DONALD MCKAY baute auf seiner 1845 in East Boston gegründeten Werft in zwei Jahrzehnten von 1850 bis 1869 eine große Anzahl erfolgreicher und berühmter Klipper, zu denen die "FLYING CLOUD" (1851), die "LIGHTNING" (1854) und die "GREAT REPUBLIC" (1853) oder die "GLORY OF THE SEAS" (1853) gehören.

Die "FLYING CLOUD" (Fliegende Wolke) war 1783 BRT groß und segelte 433 Seemeilen (rd. 800km) in 24 Stunden. Die "GREAT REPUBLIC" hatte 4000 BRT bei 4500 t Tragfähigkeit, eine Länge von 325 Fuß (100 m) und führte vollgetakelt 1500 Quadratyards (1253 m²) Segelfläche. Die "LIGHTNING" (Blitz) lief 18 kn (33,3km/h bzw. 9,25 m/s). Eine Rekordleistung stellte auch der Klipper "ORIENTAL" auf, der die Fahrt von New York nach Hongkong in 81 Tagen bewältigte. Berühmte Klipper dieser Zeit waren auch die “SOVEREIGN OF THE SEAS" und die "WESTWARD-HO".

Mit dem Übergang zum Eisen- und Stahlschiffbau verlagerte sich, begünstigt durch die Fortschritte der Stahlerzeugung und -verarbeitung, der Schwerpunkt des Klipperbaues nach England, und der amerikanische Schiffbau verlor an Bedeutung. Die Klippergrößen waren je nach Baujahr, Bauland, Mastanzahl und Einsatzzweck unterschiedlich. Übliche Durchschnittswerte des Klippers waren 1200 bis 2000 BRT, 60 bis 70 m Länge und 10 bis 12 m Breite, sie erreichten Durchschnittsgeschwindigkeiten von etwa 14 kn.

Die vorwiegend in Londoner Docks gebauten Klipper wetteiferten auf den bedeutenden Schifffahrtslinien mit den amerikanischen Klippern und untereinander in viel beachteten Segelrennen. Eines solcher berühmten Rennen fand 1866 vom chinesischen Hafen Futschou aus statt. Fünf große Klipper verließen fast gleichzeitig den Hafen und erreichten in 99 bis 101 Tagen London, wobei die beiden Klipper "ARIEL" und "TEAPING" mit einem geringen Abstand in einem spannenden Endspurt in London einliefen.

Dank der Weitsicht der englischen Admiralität ist ein bekannter Klipper aus der zweiten Hälfte des 19. Jh., die "CUTTY SARK", als Museumsschiff zur Erinnerung an die Segelschiffszeit hergerichtet worden und in Greenwich zu besichtigen.

Die Bezeichnung Klipper übertrug man verschiedentlich auch auf andere Schiffstypen, wenn einzelne charakteristische Klippermerkmale übernommen wurden, z. B. bei der "Klipper-Bark" oder "Klipper-Aak". In der russischen Marine nannte man im 19. Jh. besonders scharf gebaute schnellsegelnde Kriegsschiffe je nach Größe und Takelung "Klipper-Fregatte" oder "Klipper-Korvetten". Auch bei schnellsegelnden Fischereischiffen für den Thunfischfang mit Handangel oder Leinen übernahm man den Klipperbegriff und bezeichnete diese Fahrzeuge als "Thunklipper". Zuweilen erfolgte die Bezeichnung auch entsprechend der vorwiegend gefahrenen Ladung, wie z. B. beim Teeklipper für die Teefahrt Indien - China - England oder für verbotene Ladung, die durch Schmuggelschiffe gefahren wurde, wie beim Opium-Klipper.